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Thursday, May 3, 2012

erwartung

er hatte sich in den entlegensten winkel des kellers geschlichen in der hoffnung, dass matt ihm folgen würde. die haare noch nass von der dusche nach dem spiel, die erinnerung an matts körper, den er dort unter der  dusche zum ersten mal gesehen hatte. ihre blicke waren sich begegnet, zuerst wie durch zufall, dann wieder und wieder. blicke, taxierend, wandernd von den füßen über die Waden, Knie, die Schenkel, länger dann auf dem geschlecht des anderen. die kräftige eichel von der das duschwasser herunter rann und wie ein klarer pisstrahl auf den kachelboden strömte, dann der haarstreif, der sich deutlich zum nabel streckte. die brusthaare, der hals, das kinn, die lippen und die augen. die augen. als er merkte wie das blut in seinem penis zu pulsieren begann, hatte er sich an diese ecke erinnert an der er nun kauerte, das abenteuer erwartend.

studie



Saturday, April 14, 2012

proportionen

Erich Mühsam (1878-1934)




Paar urnische Männlein,
paar lesbische Weiber,
paar Reimer, paar Zoten, paar Schnüffler, paar Schreiber,
Kaffee, Zigaretten, Gefasel, Gegrein -
in summa: ein Literaturverein.

Saturday, March 31, 2012

je t´attends


Noch eine Zigarette. Gleich muss er da sein. Ein letzter Zug. Das ungewisse Kribbeln. Die Haut, die jede kommende Berührung erspürt; schmerzend und lustvoll.

Saturday, April 26, 2008

le silence des murs


Du siehst, wohin du siehst, nur eitelkeit auf erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo ietzundt städte stehn, wird eine Wiese seyn,
Auf der ein schäfers kind wird spielen mit den herden;

Was itzundt prächtig blüth, sol bald zutreten werden;

Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen asch und bein;
Nichts ist, das ewig sey, kein ertz, kein marmorstein.
Jetzt lacht das glück uns an, bald donnern die beschwerden.

Der hohen thaten ruhm muß wie ein traum vergehn.

Soll denn das spiel der zeit, der leichte mensch bestehn?
Ach, was ist alles diß, was wir vor köstlich achten,

Als schlechte nichtigkeit, als schatten, staub und Wind,

Als eine wiesen blum, die man nicht wieder find't!
Noch wil, was ewig ist, kein einig mensch betrachten.

Es ist alles eitel - Andreas Gryphius - 1643